125 Jahre TV – das Jubiläum steht vor der Tür. Und die monatelange Planung trägt nun auch erste öffentliche Früchte. Auf dem Nieder-Olmer Rathausplatz steht jetzt eine Litfaßsäule, die im Laufe des nächsten Jahres sichtbares Zeichen für die Feierlichkeiten sein soll. Neben Hinweisen auf das TV-Sportangebot wird hier vor allem wechselnd auf die verschiedenen Jubiläumsveranstaltungen hingewiesen, die zentral oder in den Abteilungen ablaufen werden. Denn da ist einiges geplant – von der Jubiläumsfeier am 17. Juni, über den großen Straßenlauf am 27. Mai, eine Ausstellung im historischen Rathaus und das Kinder-Spielfest am 10. Juni. Zudem gibt es immer wieder Turniere, Meisterschaften und besondere Spiele in den Nieder-Olmer Hallen. So ist zum Beispiel ein historisches All-Star-Handballmatch geplant, zu dem bereits viele Spieler aus den erfolgreichen Zweitliga- und Drittligazeiten zugesagt haben. Dazu ist jeder eingeladen, ob als Mitglied, Sponsor, Mäzen oder einfach als Fan und Sportverrückter. 

Lange Tradition, Versprechen für die Zukunft

125 Jahre TV Nieder-Olm! Das spricht für eine lange Tradition und eine große Vergangenheit. Gleichzeitig ist es aber auch ein Versprechen an die Zukunft: Die Menschen zu bewegen, dem Sport einen wichtigen Platz in der Freizeitgesellschaft zu geben – das war und ist die zentrale Aufgabe des Vereins, der in seinem Leitbild zudem darauf Wert legt, dass Offenheit, Respekt, Toleranz, Diversität in der langen TV-Geschichte immer gelebt worden sind. „Und diese Werte werden auch in Zukunft die Richtschnur unserer Vereinsarbeit sein“, sagt der 1. Vorsitzende Reinhard Schmitt.

Mit dem TV Nieder-Olm feiert einer der größten Sportvereine in ganz Rheinhessen 2018 Jubiläum. Ein besonderes Jubiläum. Denn 125 lange Jahre bedeuten einerseits viele Stürme, die überstanden werden mussten. Es bedeutet aber auch, dass der Verein und seine Sportler oft den Platz an der Sonne genossen haben. Insgesamt bedeuten 125 Jahre TV Nieder-Olm Kontinuität über viele Jahrzehnte hinweg sowie eine gute Sportausbildung für viele Generationen. Und dies soll auch in der Zukunft so bleiben: Heute steht der Turnverein 1893 Nieder-Olm als moderner Sportverein da, mit rund 2000 Mitgliedern, die mal mehr, mal weniger die vielen Angebote nutzen. 

17 Sportarten unter einem Dach

Mittlerweile sind unter dem Dach des TV Nieder-Olm 17 verschiedene Sportarten vereint, „und da wir gegenüber Neuem immer aufgeschlossen sind, könnten es gerne noch mehr werden“, sagt der Vorsitzende. So gibt es beispielsweise seit drei Jahren eine Indiaca-Abteilung, die innerhalb kürzester Zeit ein beachtliches Niveau erreicht hat. Vom Kinderturnen bis zur Wirbelsäulengymnastik in den Abteilungen Turnen und Gymnastik, über Ju-Jutsu und Judo, die Ballsportarten Volleyball und Handball, gehören auch Schwimmen, Badminton, Leichtathletik und die Skiabteilung mit ihren vielen Aktivitäten zum aktuellen Angebot. Daneben gibt es noch Koronar- und Freizeitsport sowie eine Wandergruppe, ein Lauf- und ein Fahrradtreff, bei denen auch Nichtmitglieder mitmachen können. „Der überwiegende Teil der Angebote des TVNO zielt auf den Breitensport ab, wobei der Verein großen Wert auf qualifizierte Übungsleiter und Trainer legt, um seinen Mitgliedern die beste Betreuung in den einzelnen Übungseinheiten zu bieten“, sagt Reinhard Schmitt.

Leistungsbezogen trainiert wird zum Teil in der Handball-, Volleyball- und Judoabteilung. Mit unterschiedlichem Erfolg. Während viele Jahre lang die Handballer die sportliche Spitze des Vereins bildeten – mit der ersten Mannschaft, die zeitweise in der 2. Liga, zeitweise in der dritthöchsten Spielklasse Deutschlands spielte, haben derzeit die Volleyballer die Spitze erklommen. In einer Spielgemeinschaft mit den Vereinen aus Undenheim und Schornsheim, der SG UNS, spielt die 1. Herrenmannschaft im Jubiläumsjahr in der 3. Liga. Die Handballer beginnen das Jubiläumsjahr nach dem Abstieg aus der Oberliga Rheinland-Pfalz-Saar in der Rheinhessenliga – aber mit dem Ziel, in ein paar Jahren wieder die alte Stellung als rheinhessischer Spitzenverein zurückzuerobern. Mit einem

zielgerichteten Jugendkonzept werden die Talente aus den eigenen Reihen seit einigen Jahren schon an höchstes Niveau herangeführt. Und die Schwimmabteilung, die in Nieder-Olm aufgrund begrenzter Wasserkapazitäten nur fürs Kinderschwimmen zuständig ist, ist im Leistungsbereich Teil der SG EWR Rheinhessen/Mainz.

Wachstumsmarkt Kurse

Ein Wachstumsmarkt für den TV ist das vor einigen Jahren gestartete Kurssystem, in dem eine engagierte und kreative Truppe immer wieder neue Angebote auf den Markt wirft. So gibt es neben den Platzhirschen Zumba, Power-Fitness oder Yoga zum Beispiel auch eine Gelenkschule. Oder Early Bird als Fitnessprogramm für die ganz frühen Vögel. Oder auch Standfest und Stabil, bei dem vornehmlich die älteren Semester ihre Stabilität im Alltag trainieren und erhalten können.

Ein Selbstläufer ist ein Sportverein dennoch nicht mehr. Zwar haben viele Menschen heute Lust am Sport und an Abwechslung. Doch die Vereine werden oftmals nur als Dienstleister betrachtet, der die nötige Infrastruktur zur Verfügung stellt. An der Organisation des Betriebs, der immer noch weitgehend von Ehrenamtlern erledigt wird, beteiligen sich immer weniger Menschen.  Und auch andere aktuellen Entwicklungen machen den Vereinen sehr zu schaffen – zum Beispiel der Zuwachs an Ganztagsschulen, weshalb einerseits nachmittags die Hallenzeiten fehlen und andererseits aber auch die Kinder.

Demographischer Wandel, Wertewandel, eine veränderte Arbeitswelt, veränderten Familienstrukturen und eine immer rasantere mediale Entwicklung sind die Dinge, mit denen der TV wie viele andere Vereine zu kämpfen hat. „Wir sind dem mit Engagement im Ehrenamt und angepasstem Kommunikationsverhalten entgegengetreten. Gerade dem Umstand, dass wir die Herausforderung angenommen haben und auf die Menschen zugehen ist es zu verdanken, dass sich unsere Mitgliederzahl so erfreulich entwickelt hat“, sagt Reinhard Schmitt: „Wenn der TV Nieder-Olm auch in Zukunft überleben will, muss er sich ein Stück weit neu erfinden und vor allem wachsen.“ 

Zielvorgabe bis  2020: 2500 Mitglieder

Mit einem Anstieg von rund 1800 knapp 2000 ist hierbei der erste Schritt getan. Die Zielvorgabe in der vor einigen Jahren gestarteten Agenda 2020 sind aber 2500 Mitglieder. Ob das ehrgeizige Ziel bis dahin erreicht sein wird? Für Schmitt und seine Mitstreiter im Vorstand ist es vor allem wichtig, dass die jetzt einzuleitenden Schritte in die richtige Richtung führen. Denn mit seiner Neu-Orientierung ist der Verein noch lange nicht am Ende. Auch die Organisation der Vorstandsarbeit bei immer weniger Bereitschaft zum Ehrenamt steht hierbei auf der Liste. Klar ist den Vorständen auf jeden Fall: Der Verein muss attraktiv und interessant nach außen wirken, ein gutes und zeitgerechtes Sportangebot haben und nach innen ein neues Wir-Gefühl entwickeln.

Das alles ist aber nur zu schaffen, wenn sich viele ehrenamtliche Mitglieder als Trainer, Schiedsrichter, Mädchen für Alles, und, und, und zur Verfügung stellen. Und dazu gehört ein verantwortungsvoller Umgang mit den Finanzen. „Dabei sind wir aber auf die Hilfe anderer angewiesen.“ Heute könne kein Verein alleine über die Mitgliedsbeiträge ein attraktives Angebot für die Sportler zwischen einem und mittlerweile über achtzig Jahren anbieten. Deshalb bemüht sich der Verein ständig um Sponsoren, die mit Zuwendungen, Spenden, oder als Anzeigengeber in den Vereinsheften oder auf der TV-Homepage zur Seite stehen.

Der TV Nieder-Olm ist in der glücklichen Lage, dass die Stadt mit insgesamt zwei Sportplätzen und acht Sporthallen über ein wirklich gutes Platzangebot verfügt. IGS und Gymnasium tun hier ihr übriges. Gemeinsam mit den anderen örtlichen Sportvereinen kann der Verein den Bürgern der Stadt daher vieles anbieten. Was der Club leider nicht hat, ist eine geeignete Begegnungsstätte für seine Sportler. Ein Geschäftszimmer, Versammlungsräume, eine Vereinsadresse eben. Oder anders gesagt: Der TV Nieder-Olm hat kein zu Hause. Mittlerweile gibt es Pläne dazu, aber noch ist nichts in trockenen Tüchern.

125 Jahre TV Nieder-Olm: Auf dem Weg zum Verein der Zukunft